Buchkritik
Stanislaw Lem – Die Megabitbombe
Harter Tobak, was Stanislav Lem da in seinem Buch »Die Megabitbombe« an intellektuellen Gedanken herunterreisst. Mit rüstigen 81 Jahren scheint der polnische Schriftsteller immer noch nicht müde visionäre Gedanken auf ihre mögliche Realisation abzuklopfen. In seinem Buch beschäftigt er sich in Essays zu unterschiedlichen Themen der Vernetzung, Virtualität und allen voran der Entwicklung, Zukunft und gegenwärtigen Auswirkung des Internets. Dabei formuliert der Internetskeptiker viele Hypothesen, Schwächen und beschreibt mögliche schadhafte Auswirkungen der globalen Vernetzung.
Ein wenig schrullig und immer mit einem gewissen Stolz nimmt Lem kontinuierlich Bezug auf erschienene eigene Geschichten und Bücher. Trotzdem wird einem der (Quer-)Denker dabei nie unsympathisch, sondern beeindruckt mit seinem umfassenden äußerst aktuellen Wissen.
»Die Megabitbombe« ist eine Sammlung von Texten, die nicht nur explosives Wissen vermitteln, sondern die immens komplexe Gedankengänge beschreiten und wissenschaftlich verwoben daherkommen.
Das Buch lässt sich nicht in einem Rutsch herunterlesen, sondern muss regelrecht studiert werden. Denn Stanislav Lem nimmt nicht nur auf viele Quellen Bezug, sondern erwartet von seinem Leser einen aufmerksamen Geist. Ohne Geduld und Zeit bleiben nach dem Lesen nur inselartige Eindrücke zurück. Doch selbst die könnten ihre Wirkung hinterlassen ;)
Essays zum Hyperspace, Telepolis/ Heise Verlag, 16 Euro, ISBN 3-936931-00-3