Buchkritik
Armin Medosch – Freie Netze
Das neue Buch von Armin Medosch, Mitbegründer und Redakteur von Telepolis, richtet den teilweise etwas »geekigen« Fokus auf eine weltweit sich ausbreitende neue Form von Netzkultur: nämlich Funknetzwerke, die auf der WLAN-Technik basieren. Dabei betrachtet der Autor vor allem dezentral organisierte Gemeinschaften sowie private Initiativen, die sich gegenseitig beraten, helfen und digital verweben oft ohne staatliche Hilfe und abseits jeglicher Konzerne. Phlow stellt das Buch vor und sprach mit dem Netz-Experten.
»Freie Netze – Geschichte, Politik und Kultur offener WLAN-Netze« vereint sowohl einen kleinen Exkurs und Einblick in die (fast) kabellose Technik, das Entstehen menschlicher als auch funkbetriebener Netzwerke und die politische Brisanz und Selbstorganisation eben dieser. Glücklicherweise sind die Themen modular angeordnet und können so unabhängig voneinander rezipiert werden. Wen also die technischen Details wenig kümmern, stürzt sich direkt in das aktivistische Treiben und die bisherige Entstehungsgeschichte oder studiert »Die Politik freier Netze«. Vor allem begeistert Medosch den Leser für die Mischung aus Pionierarbeit, Technik, Kultur und Politik, da er stets versucht die Szene auch von außen zu beleuchten. Selbst absorbiert von den Netzwerken, da Teil von ihnen, versucht er immer wieder Abstand zu bekommen.
Erstaunlich bei der Entwicklung von Projekten wie Consume oder auch Personal Telco ist unter anderem, die technikunabhängige Entwicklung - vor allem der »Spirit« und Antrieb. Man spürt förmlich den Appell des Autors zur Selbstorganisation und –verantwortlichkeit. Deutlich weist er daraufhin, dass Freie Netze nicht nur ein toller Spaß für Nerds sind, sondern konkrete soziale Auswirkungen haben können, wie z.B. eine Chance auf mehr Demokratie, kulturellen Austausch und konzernunabhängige bürgerliche Aktion - im guten Sinne versteht sich.
Wertung: 5 von 5 Punkten
Zur Person: Armin Medosch: Studium Germanistik, Philosophie und Theaterregie; ab 1985 freischaffender Autor und Künstler; 1996 Mitbegründer und Redakteur des Online Magazins Telepolis, bis Mitte 2002, seit 1997 Wohnsitz London, freischaffender Autor, Kurator Neue Medien und Künstler; Online Projekt »Kingdom Of Piracy«; Buchbeitrag »Demonstrieren in der virtuellen Republik«, Bundeszentrale für politische Bildung; Herausgeber »Netzpiraten«, gemeinsam mit Janko Röttgers.
Telepolis/ Heise Verlag, € 16,00