Portrait
Objektorientiertes Material-Sampling

»Ich wäre geehrt, wenn mir jemand sagen würde, dass mein Design der Musik eines Jan Jelinek entsprechen würde.« Stefan Wecker

Ganz Deutschland bibbert in der Rezession und jammert. Das man aber auch optimistische Gegenpole setzen kann, zeigt das Design-Duo von Re-Store. Denn Vaike Fuchs und Stefan Wecker arbeiten seit anderthalb Jahren selbstständig an ihrer eigenen Idee von Möbeln, Interioraccessoires und Raumkonzepten. Da kommt der Designmai gerade recht.

Ob ausrangierte Lackmusterplatten oder Ex-Stadionsitzschalen, Vaike Fuchs und Stefan Wecker formen gebrauchte oder ausrangierte Materialien um und integrieren sie in ihre Kollektionen. Dabei achten die beiden gelernten Restauratoren bei ihren Objekten vor allem auf Funktionalität und ein Höchstmaß an Minimal-Ästhetik. Zwar entstanden bei ihrer vorherigen Tätigkeit, der Restaurierung von Stein und Stuck, immer wieder neue Anforderungen an ihr handwerkliches Können, doch auf die Dauer zwängten Vorgaben und wiederkehrende Muster zu sehr ein. Der Schritt in die Selbstständigkeit war also nur eine Frage der Zeit, dem das rege Interesse aus dem Freundeskreis an den entworfenen Objekten nur förderlich war.

Form & Function

Die Grundidee, die ihren Möbeln zugrunde liegt ist »die Wiederverwendung, Umfunktionierung und Neuformung nutzloser Materialien und Ausschusswaren«. Trotzdem wird nicht alles recycled was den Beiden gerade vor die Füße fällt, sondern es wird vielmehr in der Regel mit einer bereits vorhandenen Vorstellung Passendes gesucht. Vor allem wehrt sich Stefan vehement gegen den Selbstzweck und Fokus auf »Recycling«. Natürlich sollen ihre »essentiellen« Möbel dem Raum einen speziellen Touch geben. Trotzdem wünscht er sich die Gleichberechtigung zwischen Ikea und Konsorten. Wichtig ist nicht, dass die Kunden, das Ausgangsmaterial des Produktes wiedererkennen, sondern dem Einrichtungsgegenstand einen funktionalen Aspekt in ihrem Eigenheim zuweisen. Schließlich schaffen sie keine individuellen Kunstobjekte, die frei von Funktionalität den Raum schmücken.

Produktion & Marktforschung

Bevor jedoch Serienprodukte wie z.B. die Cubes, ein mobiles System in verschiedenen Größen und mit unterschiedlichen Features von Sitzkissen, Wand- oder Deckenaufhängungen bis hin zur Beleuchtung, entstehen, werden erst einmal die Prototypen getestet. Diese werden in den eigenen Privaträumen neben Werkstatt und Arbeitsplatz im sogenannten »Showroom« präsentiert. Täglich geöffnet erhält man hier Einblick und hinterlässt womöglich auch einmal einen dunklen Raum, wenn man Stefan und Vaike die letzte Lampe einer Vorserie abkauft. Verwundert stellt das Duo dabei immer wieder fest, dass sie keine absolute Aussage im vorhinein treffen können, was sich gut und was sich schlecht verkauft. Soll ein erfolgreiches Möbelstück oder Accessoire noch ein weiteres Mal produziert werden, hängt dies oft auch mit dem Noch-Vorhandensein der Materialien ab. So kann es geschehen, dass selbst gewinnbringende Kollektionen nur in kleinen Stückzahlen bestehen.

Berliner Minimalismus

Wie die Berliner Musikszene in den letzten Jahren langsam und unaufhaltsam ihre Botschaft von Minimal-Elektronik verbreitet und sich selbst immer wieder befruchtet hat, so schwingt auch der Berliner Minimalismus in den »essentiellen« Möbeln von Re-Store mit. »Vielleicht ist das ein Versuch dem hektischen Alltag einen Gegenpol zu setzen.«, vermutet Stefan, der gemeinsam mit Vaike gerne seine Räume mit der Musik eines Jan Jelineks oder Christian Kleine beschallt. Die Ruhe, Eleganz und Besonnenheit solcher Releases strahlen auch ihre schnörkellosen Lampen, Regale und Sitzgelegenheiten aus, die mit ihrer wohldurchdachten grafischen und linearen Struktur den Raum unterteilen.

Servicepoint

www.re-store.de