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Push Button Publishment For The People

Wenn 2002 ein Internet-Phänomen besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, dann waren das Weblogs oder verniedlicht genannt: Blogs. Diese ermöglichten nämlich einer stetig wachsenden Zahl von Mitteilungssüchtigen ganz einfach den Content auf der eigenen Website mittels Mini-Redaktionssystem upzudaten ohne immer neu Hand an den Code zu legen. Vor allem ermöglichen es Systeme und Angebote wie Blogger (der Klassiker) oder Blogstudio auch totalen Anfängern ohne Ahnung von Programmierung Seiten ins Internet zu stellen. Vor allem auch der kostenlose Service führte zu einem wahren inflationären Flächenbrand an Blogs. Neben einer kostenlosen Datenbank, in welcher die Einträge gespeichert werden, legen die Anbieter meist noch eine Subdomain und ein wenig Webspace für Bilder etc. drauf.

»Guckst Du meins, guck ich Deins.«

Mehr braucht der gemeine Internet-Bürger nicht um dann alsbald seine persönlichen Erkenntnisse und Weisheiten auf die Gemeinschaft loszulassen. Ist es doch auch arg verlockend dynamische Webseiten mit dem eigenen Gedankengut, mit Lieblingslinks und Bildern zu veröffentlichen. Schnell wurde da von einer Revolution gesprochen. Begeisterung über eine Demokratisierung der Publikationen blendete alle ein wenig, doch bis auf einige wenige Ausnahmen entstanden schnell kleine geschlossene Zirkel unter Freunden. Man besuchte sich gegenseitig, wurde miteinander warm und kommentierte Bilder, Gedanken und (gefundene) Artikel der Freunde. Oftmals ist das sogar Unterhaltungskultur auf hohem Niveau. Denn es wird kommuniziert und diskutiert nach dem Motto raus aus dem anonymen Discussion-Board hinein in die privatisierte Blog-Lounge.

Wissensaneignung

Doch im Wust, im heillosen Durcheinander, ragen auch einige hochwertige Sites hervor, die nicht selten von intellektuellen Schreibern und Menschen, die vom investigativen Journalismus träumen, ernsthaft betrieben werden. Diese hervorragenden Quellen, oftmals monothematisch um ein Sujet kreisend, eignen sich meist hervorragend zur alternativen Wissenserwerbung oder Unterhaltung. Ob nun Politik (siehe Bericht von Nico Haupt in der Dezember-Ausgabe), Wissenschaft, Technik oder auch Pop, die E-Zines vermitteln aktuelles Wissen, das man in dieser reichhaltig spezifizierten Form oft niemals bei großen Zeitungen und Magazinen findet.

Teilweise haben einige Blogs als Opinion-Leader mittlerweile eine solche Schlagwirkung, dass sogar große Verlage wie Suhrkamp ihre voreilige Klage zurückziehen, da sie extreme Negativ-Publicity befürchten. So zog der Verlag seine Klage gegen den Schockwellenreiter zurück, der einen Link auf das downloadbare Walser-Buch gesetzt hatte, dass auf einem amerikanischen Server lag.

Außerdem provozierten die konservativen Medien in den USA die Intellektuellen durch fehlende Kritik. Das führte unweigerlich zu einer Leser- und Schreiberschwemme abseits des Mainstreams. Die eingeforderte alternative Berichterstattung rüttelt gerade mächtig die Medien durch und die Zahl der Blogs, die sich mit 911 beschäftigt ist endlos. Ob es was bringt zeigt die Zukunft.

Jedoch werden Tools wie das exzellente Movable Type nicht mehr wegzudenken sein und weiter die Schreibwut anstacheln und mit System unterstützen.

Liebgewonnen