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Evoke 2002 – Eindrücke Einer Abgeschotteten Szene
Die Computer-Demo-Szene präsentierte sich auch auf der Evoke Party in Köln am vergangenen Wochenende (02.09.2002) wieder als kleine abgeschottete Gemeinschaft. Wieder einmal war Zeit für Nostalgie, Codes, Musik, Grafik und Bier.
Auch wenn zur Assembly jedes Jahr eine große Schar internationaler Coder, Grafiker und Musiker ins ferne Skandinavien pilgern und für kurze Zeit auf engstem Raum eine Eishockeyhalle mit mehr als 4000 Computer-Nerds flutet, so ist die Demo-Szene doch recht überschaulich bzw. schwer auszumachen. Demo-Gruppen gibt es ja seit es den C64er gibt und selbst heute noch sollen neue Demos für den Brotkasten geschrieben werden.
Wo früher Jugendliche selbst zur Tat schritten, um eigenen Code zu basteln, da brauchen sie heute nur noch im Internet in Script-Archiven zu suchen oder benutzen gleich großartige 3D-Modeller, um ihre Ideen umzusetzen. Kein Wunder also, dass die Szene immer kleiner wird, fehlt doch einfach der Nachwuchs, weiß Timo zu berichten. Viele wissen auch gar nicht mehr was z.B. Ansii-Grafiken sind und ständen wohl ein wenig ratlos vor den Competitions. Denn die sind der eigentliche Anlass.
Beim Besuch erzählt Prymer (Internet-Label Tokyo Dawn) so einiges und im Kopf fügt man kleine Wissensbausteinchen zusammen. So nahm auch das Thinner-Label um Sebastian Redenz in der Demo-Szene seinen Ursprung. Gemeinsam hat man deswegen auch schon auf den unterschiedlichsten Parties zusammen gehangen. Betrachtet man die oftmals stylischen und komplexen Demos, die in Echtzeit furiose 3D-Welten auf die Leinwand werfen, so wundert man sich über die Menschen vor den Computern. Während auf dem Screen alles perfekt glänzt, würden Mode-Bewußte vor Grauen das Entsetzen packen. Denn die hier Versammelten haben mehr als oft diese gewissen Merkmale die Nerds und Geeks auszeichnen: wirre Haare, labbrige T-Shirts, einen scheuen Blick, die ein oder andere Wampe und vom Schlafentzug geränderte Augen.
Nichtsdestotrotz gehört die Szene zu einer der sympathischsten. Hier zählt vor allem Können und wer was kann, dem wird Respekt gezollt. Erstaunlich friedlich und gemütlich geht es hier zu und bewundernswert ist der Enthusiasmus und die Gelassenheit. Basis-demokratisch organisiert man sich selbst. Zum Höhepunkt der Veranstaltung werden dann die programmierten Demonstration vorgestellt und bewertet. Dabei gibt es natürlich unterschiedliche Formate, wie z.B. die 4-Channel-Mod-, Intro-, Demo oder Hand-Drawn-Competition. Unglaublich, was die Programmierer aus lediglich 64 Kilobyte herausholen. Furios wie sich der kleine Code aufbläst und Texturen, Sounds und 3D-Welten Megabyte-weise entstehen lässt, um über den Bildschirm zu fliegen. Großartiges Kino also von lichtscheuen Menschen.