Serie
Mr Inbetween: Wer als zweiter reagiert, verliert
In beiden Serien verfolgen wir Menschen bei äußerst fragwürdigen Handlungen und Entscheidungen. Gleichzeitig kitzelt uns die Neugierde, wie sie sich aus schwierigen Situationen wieder herauswinden. Spannung entsteht schon alleine dadurch, wenn Ray z. B. eine sympathische, freundliche, junge Frau kennenlernt. Sofort fragen wir uns, was alles schiefgehen kann. Wir hoffen, dass die junge und ahnungslose Frau es so schnell wie möglich aus seinem Leben schafft, um unbeschadet ein schönes Leben zu führen wie wir.
Oder wir fragen uns, ob sich dieser Mann, der wie Nitroglycerin auf zwei Beinen wirkt, ändern wird.
Andererseits bewundern wir diesen konsequenten, harten auf Ehre und Respekt getrimmten Typen. Ein Typ, der auf den ersten Blick unscheinbar und harmlos wirkt. Aber ein Blick in die harten, leicht psychotischen Augen, und man weiß, dass Ray sich von niemandem einschüchtern lässt. Ein Typ, der konsequent zuerst reagiert, tritt, schlägt, wenn die Anzeichen für einen Konflikt auf orange stehen. Schließlich wollen wir auch manchmal unbarmherzig unseren Willen durchsetzen, der Stärkere sein, derjenige, dem das Gegenüber Respekt zeigt.
Gleichzeitig zeigt die Serie die warme Seite von Ray. Wenn wir ihm in seinem Doppelleben als fürsorglichem Vater dabei zuschauen, wie er versucht, seiner achtjährigen Tochter zu erklären, ob es Einhörner wirklich gibt, dann lernen wir ihn als Mensch mit normalen Bedürfnissen kennen. Ein Mensch, der seinem Freund mit Behinderung liebevoll hilft, fern von Brutalität und listigem Soziopathen.
Aber machen wir es uns nichts vor: Ray gehört im Beton-Dschungel zu den gefährlichen, düsteren Persönlichkeiten. Er gehört eigentlich hinter Gitter für die zahlreichen Verbrechen, die er begangen hat – und genau das macht die Serie so unbequem: Immer wieder erwischen wir uns, wie wir ihm die Daumen drücken zu entwischen.
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