Kritik Krimiserie
Furious: Harter Tobak, klare Empfehlung

Wenn man – so wie ich – zahlreiche Krimi- und Thriller-Serien gesehen hat, dann kennt man den Aufbau der Geschichten. Bei neuen »herkömmlichen« Produktionen ahnt man Wendungen und sieht im Voraus, wie man vermeintlich in die Irre geführt wird.

Ich schaue Krimi- und True-Crime-Serien ganz gerne, wegen der Puzzles, die man als Zuschauer*in langsam zusammensetzt. Die Kunst für eine neue Serie ist es, nicht unbedingt einen neuen Twist zu erfinden. Persönlich liebe ich Krimi-Serien vor allem, weil sie mich in eine Welt entführen, die mir fremd ist. Neben den Puzzles und mentalen Fragen fasziniert mich der Blick hinter andere Kulissen. Großartig gelungen ist »True Detective«, »Delhi Crime«, »Sacred Games« oder »Mindhunter«.

»Furious« präsentiert sich in erster Linie als amerikanische Kriminalgeschichte mit FBI, Polizisten und Morden nach deren Motiv gesucht wird. Das ist nichts Neues. Interessant wird es dadurch, dass die Serie zwar lose vom Film »Black Widow« aus dem Jahr 1987 inspiriert ist – sogar im Vorspann namentlich genannt –, sich aber bewusst davon löst und eine ganz eigene Handschrift entwickelt, unvorhersehbarer und vielschichtiger als die Vorlage.

In dieser Serie verkörpert Emmy Rossum die FBI-Agentin Alice Black, ein komplexer Charakter, der sich von Folge zu Folge zunehmend entfaltet. Dabei ist »Furious« keine klassische Jäger-und-Gejagte-Geschichte, sondern wechselt bewusst zwischen den Perspektiven beider Frauen.

Dahingegen schafft es die Serie aber, mit herausragenden Schauspielern und unerwarteten Wendungen die Neugierde und Spannung aufrechtzuerhalten. So erklären Rückblenden das Verhalten der Protagonisten und plötzlich sieht man die gleiche Gegebenheit in einem vollkommen anderen Licht. Man dreht und positioniert dann ein scheinbar passendes Puzzle-Teil noch einmal im Kopf und platziert es woanders in der Erzählung und Logik der Serie.

Einen dicken Pluspunkt bekommt die Serie außerdem dafür, dass sie eine in sich abgeschlossene und stimmige Geschichte erzählt. (Eine zweite Staffel wurde inzwischen bestätigt, was aber nichts daran ändert, dass die erste Staffel für sich steht.) Auch wenn es ein paar Dinge gibt, die ein wenig arg an den Haaren herbeigezogen sind, stört es nicht den Zuschauergenuss. Vollkommen unrealistisch sind die Gegebenheiten dann doch nicht. Warnen möchte ich aber nur davor, dass der innere Kern des Warum? schon harter Tobak ist. Einer der Männer, denen die Täterin nachstellt, ist als New Yorker Mogul mit einem widerwärtigen Interesse an minderjährigen Mädchen gezeichnet – die Nähe zu realen Fällen ist kein Zufall. Und wenn man Gewalt gegen Frauen nicht sehen will, dann empfehle ich einen großen Bogen um »Furious«.

Ansonsten: klare Empfehlung.

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