IDM Electronica
Batfinks »Peach Route«

Bei den Batfinks tanzt die Anarchie. Wer »Iaora Tahiti« und die verspulte Leichtigkeit der frühen Mouse On Mars vermisst, findet hier gleich eine dicke Tüte voller Überraschungen.
Verspielt mit schlitzohrigem Humor klimpern die Melodien auf Glockenspielen auf einen. Gleichzeitig mutieren gern mal die Rhythmen in Aphex-eske Beateskapaden. Genauso genussvoll ziehen Steven Paul Wareing und Jim Noir ihren Drill’n’Bass-Eskapaden den Stecker und lassen urplötzlich Ihre Beats, wie der Turm zu Babylon in sich zusammenstürzen.
Die EP »Peach Route« rappelt so voller irrwitziger Gimmicks, dass einem die Tränen vor Freude kommen. Diese wunderbar dekonstruktiven Sounds erschienen damals auf dem virulenten Hippocamp-Netlabel.
Damals wie heute drehen sich meine Ohren wie die kleinen Satelittenschüsseln eines Nilpferds. Wäre Mickey Mouse irgendwann mal auf LSD gewesen, er hätte sicherlich so eine Musik produziert und zu ihr getanzt.
Mein Lieblingstrack ist nach all den Jahren immer noch das melodiöse »Weiff, Ich«. Aber auch »One Pegs - Paper Tall« ist ganz großartig. Zwar merkt man wie bei »I sniff within because I’m stuck«, dass da eine grenzenlose Liebe für MoM durchfiepst, aber die Melodien sind so eigen und wunderschön Reggae-verraucht, dass die Sonne strahlt und ich vergesse, dass der Beat wie gestohlen klingt.
Die krachigeren Tracks, die einem ins Gesicht schreien »Was Squarepusher kann, kann ich schon lange!« entpuppen sich zwar nicht als so spannend. Damals waren sie aber sicherlich angenehm als Therapie-Form der Künstler.
Ehemals › hippocamp.net/1003/07.asp
Heute › https://batfinks.bandcamp.com/album/peach-route
Batfinks und Jim Noir: Ein Tribut an den besten Freund
Hinter dem skurrilen Namen Batfinks stand Steven Paul Wareing (1982–2016), ein experimenteller Musiker aus Manchester und langjähriger bester Freund von Jim Noir (bürgerlich Alan Roberts). Die beiden kannten sich seit der Schulzeit und teilten ihre tiefe musikalische Leidenschaft.
Als Steven 2016 verstarb, übernahm sein Vater die Pflege seines musikalischen Erbes und lud seine Alben auf Bandcamp hoch – begleitet von einem poetischen Nachruf:
„Steven retired into his computer where he tied all the musical notes into incredible rainbows and threw them out into the world to dazzle our ears …"
Auf Jim Noirs Album „AM Jazz" von 2025 findet sich der Track »Peppergone« – ein Stück, das Noir »mitten in einer schweren Nacht« als Tribut an seinen verstorbenen Freund schrieb. Eine stille Hommage an Batfinks, dessen Musik durch die Fürsorge seines Vaters weiterlebt.