Filmkritik
About Schmidt

Poster About Schmidt

Warren Schmidt ist 66 und hat das Leben geführt, vor dem wir uns alle am meisten gruseln. Jahrzehntelang arbeitete er angepasst für einen Versicherungskonzern, während seine Frau anfing mit den Jahren immer mehr Nippesfiguren und Porzellan zu sammeln. Seine Tochter ist längst ausgezogen, steht kurz vor der Heirat und wohnt schon lange nicht mehr in Omaha.

Und dann knickt eine nach der anderen Stütze, die den Sinn in seinem Leben so gerade zusammengehalten hat, ein. Von langsamen Kamerafahrten unterstützt, betrachten wir Warrens Leben aus verschiedenen Perspektiven, deren es nicht wirklich viele gibt. Ohne jeden Hollywood-Glamour und in nüchternen bis tristen Farben zeigt uns Regisseur Alexander Payne die Umgebung und führt uns behutsam wie ein Museumspädagoge durch die Räumlichkeiten. Ob nun das typisch amerikanische Haus mit seinen überladenen Tapetenmustern, der Wolkenkratzer seiner ehemaligen Arbeitsstätte oder die Stadt selbst, es scheint sich kein Lüftchen zu bewegen – einfach trostlos. Plötzlich von der täglichen Arbeit befreit, ahnt Warren schon mit steinerner Miene bei seiner Abschiedsfeier, dass Wolken aufziehen.

In »About Schmidt« führt Payne immer wieder die amerikanische Höflichkeit vor. Während die Abschiedsreden der Ex-Kollegen den Zuschauer peinlich berührt erschauern lassen, spürt man die nichtssagende Härte bei den Floskeln der Beileidsbekundungen zum Tod seiner Frau. Dabei verkörpert Jack Nicholson mit vielsagenden Gesichtern seinen Protagonisten und scheint völlig absorbiert von der Rolle. Lediglich seine eckigen Augenbrauen zeugen davon, dass er auch böse und abenteuerliche Charaktere in seiner Karriere gespielt hat. Wäre der Film nicht eine sensible Tragikomödie, in welcher man ein ums andere Mal über Jack Nicholsons Mimik schmunzelt oder über die humorvollen Selbstgespräche lacht, man würde förmlich zerquetscht von der Perspektivlosigkeit des Rentners. Doch je weiter sich die Geschichte dreht, desto mehr schöpft man Hoffnung für den alten Mann. Trotz seiner Tapsig- und Ahnungslosigkeit gegenüber dem Leben glaubt man am Ende daran, dass er seinen Sinn findet. (mo)

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»About Schmidt«
USA 2002
(R: Alexander Payne; D: Jack Nicholson, Hope Davis, Dermot Mulroney, Kathy Bates u.a.; 27.2.)