Buchkritik
Klassiker »Fleisch ist mein Gemüse« von Heinz Strunk

»Fleisch ist mein Gemüse« ist eines jener seltenen Bücher, bei denen man vor lauter ehrlich vorgetragener Tragik nur heftigst mitlachen kann. Denn die Geschichte beschreibt intensiv, sprachgewandt und mit bissigem Wortwitz das verdammte Leben eines jungen Muckers – eines Muckers, der sich mit seinem Instrument von einem schrecklichen Schützenfest zum nächsten schleppt. Glamour, gute Gerüche und sympathische Menschen findet man woanders.
Auf jeder Seite schafft es Heinz Strunk, die unfreiwillige Komik und die bizarren und erschreckenden Lebensumstände eines Menschen direkt auf den Punkt zu bringen. Ohne Umwege, erschreckend ehrlich und mit schmerzhafter Gelassenheit beschreibt der Protagonist von Heinz Strunk sein Leben.
Zynisch, kompromisslos, ohne einen Funken Selbstmitleid – so erzählt Strunk das zerfledderte Leben eines Musikers. Man liest weiter, obwohl jede Episode trister ist als die vorherige.
Die Geschichte dreht sich dabei um einen Mucker Anfang Zwanzig, der sich mit einer geballten Ladung Leben auseinandersetzen muss. Während die Mutter mit ihren Psychosen kämpft, entstellt eine schwere Akne – Acne conglobata – das Gesicht des jungen Helden.
Gleichzeitig besuchen wir als Leser mit Heinz Strunk seine verschiedenen Arbeitsplätze. Die befinden sich unter stickigen Zeltplanen von Schützenfesten, grantigen Tanzveranstaltungen von abbruchreifen Hotels und in Lehrzimmer, in denen er unwillig Blasinstrumentunterricht erteilt.
Wie in den Büchern des Trinkers Charles Bukowski gibt es gegen ein solches Leben voller Hohn nur eine Waffe: Humor. Fasziniert von dem Märtyrium, das Heinz Strunk von seinen Auftritten, durch langatmige Nachmittage voller Alkohol bis hin vvor den Spielautomaten Merkur Disc 2 jagt, können wir nicht anders als mitlachen.
Intensiv und voller Sarkasmus kitzelt das Buch die eigene Bauchdecke mit auf den Punkt gebrachten Beobachtungen. Die dabei entstehende Sogwirkung macht uns zum Komplizen, der den vereinsamten Mucker versteht und in seinem gnadenlosen Urteil bewundert. Denn die Komik entsteht allein aus knallharten Beschreibungen voller Sprachwitz, die der Realität mit der dauernden Frage begegnen: Was soll ich hier eigentlich mit meinem Leben anfangen?
»Fleisch ist mein Gemüse« ist eines der seltenen Bücher, die nichts beschönigen und in denen der Autor ehrlich und ohne Umwege mit sich und seinem Leben abrechnet. Zum Glück dürfen wir gemeinsam mit ihm über die Tragik seines Lebens mitlachen. Außergewöhnlich!