News-Blog für die grau-schwarze Seite des Netzes

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Journalismus & Blogs // Mit ihrem News-Blog Tarnkappe.info haben sich Lars Sobiraj und Christoph Wilden ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie wollen die dunklen Seiten des Internets ausleuchten. Vom Graubereich der Filesharer bis hinzu den Abzockern, Anarchisten und Raubkopierern. Mit welcher Strategie die Beiden vorgehen, warum sie dafür eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft gründeten samt Spaziergang zur IHK, erläutert Lars Sobiraj im Interview mit Phlow.

Hallo Lars. Warum hast Du Dich entschieden mit Tarnkappe.info eine neue Website ins Leben zu rufen. Du schreibst doch bereits Deinen Blog voll!

Es ist sinnvoller, meinen privaten Blog von einem News-Blog zu trennen. Auf meinem privaten Blog werden meine Dienstleistungen (Journalismus, Seminare, Moderation) angeboten. Bei der Tarnkappe kommen auch Gastautoren zu Wort, das würde sonst nicht passen.

An wen richtet sich Tarnkappe? Welche Inhalte stehen im Mittelpunkt?

Eigentlich an jeden. Warum? Weil jeder mit seinem PC oder Smartphone im Internet unterwegs ist. Bei der Tarnkappe geht es oftmals darum, wie wir unsere Privatsphäre und unsere Daten schützen können. Das müsste eigentlich jeden etwas angehen.

Ein Jahr nach den Snowden-Veröffentlichungen werden aber auch netzpolitische Themen im Zentrum stehen. Wer das Internet betritt, muss sich fragen, von wem es überwacht und beeinflusst wird. In welchem Umfang nehmen Internet-Anbieter, Suchmaschinen, Unternehmen und staatliche Behörden Einfluss auf »unser« Web?

Nur ein Beispiel: Kurz nachdem Google die Firma Nest gekauft hat, wurden mehrere Konkurrenten in den Suchergebnissen von Google deutlich schlechter angezeigt. Ist in der Google-Suche eine Firma nicht sichtbar, ist sie für die Kunden quasi nicht mehr existent.

Mit der von Google viel beschworenen Netzneutralität hat das nichts gemeinsam. Neben Netzpolitik und Datenschutz drehen sich viele Interviews und Artikel um das Urheberrecht. Tarnkappe ist eine der ganz wenigen Webseiten mit einem direkten Draht zur »Szene«. Das können sowohl Filesharer, Buchpiraten, Hacker oder sonstige Personen sein, die im digitalen Untergrund aktiv sind.

Leider verzerren klassische Medien diesen Bereich oft sehr oder stellen ihn rein populistisch dar. Ich sehe eine große Chance darin, diesen Bereich sachlich darzulegen.

Dieses Feld finde ich unglaublich spannend. Leider verzerren klassische Medien diesen Bereich oft sehr oder stellen ihn rein populistisch dar. Ich sehe eine große Chance darin, diesen Bereich sachlich darzulegen. Daran besteht großer Bedarf, das zeigen auch unsere Zugriffszahlen.

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Mit Tarnkappe hast Du nicht nur eine Website ins Leben gerufen, sondern auch gleich eine UG gegründet. Warum?

Das ist der Versuch sich gegen zivilrechtliche Ansprüche abzusichern. Ob wir wollen oder nicht: Wir werden früher oder später Unternehmen oder Privatpersonen auf die Füße treten. Wenn es zu Klagen oder Abmahnungen kommt, soll besser eine juristische Person betroffen sein.

Welche Stolpersteine waren für Dich bei der Gründung von Tarnkappe die größten?

Mein Geschäftspartner Christoph Wilden und ich sind erstmal von Pontius bis Pilatus gerannt, um uns zu informieren. Einiges musste im Vorfeld bedacht und geplant werden. Die kompetentesten Antworten haben wir von der IHK erhalten.

Freunde oder Bekannte zu fragen, macht dabei keinen Sinn. Jeder glaubt, er müsse seinen Sermon dazugeben. Am Ende fördern solche Gespräche viel Halbwissen zutage, damit konnten wir nichts anfangen.

Mit der Gründung gingen außerdem viele formelle Dinge einher. Die Formalia sind echt lästig, aber leider zwingend nötig.

Würdest Du Kollegen aus Journalismus und artverwandten Bereichen die Gründung eines eigenen Website-Angebotes empfehlen? Und wenn ja, warum?

So etwas lohnt sich, wenn überhaupt nur auf lange Sicht. Wer eine eigene Webseite gründet, muss sich darüber im Klaren sein, dass nichts schwieriger ist, als mit Content Geld zu verdienen.

Die Tarnkappe ist ein Experiment.

Die Tarnkappe ist ein Experiment. An irgend einer Stelle muss man einfach mal anfangen, das tun wir gerade. Wenn unsere Pläne nicht aufgehen, werden wir unser Angebot den Bedürfnissen den Besucher anpassen. Dann gilt es nach einer gewissen Zeit zu prüfen, ob es besser klappt. Notfalls muss das Konzept erneut umgeworfen werden. Das gehört halt dazu.

Ich bringe 7 Jahre Erfahrung von gulli.com mit. Als Freiberufler und später Chefredakteur weiß ich ganz genau, welche Themen gut ziehen. Doch im Gegensatz zu früher kann ich mich nicht alleine auf unser Projekt konzentrieren.

Ich muss »nebenher« auch noch genug Geld als freiberuflicher Journalist und Seminarleiter verdienen. Das ist auch der Grund, warum wir auf Gastautoren setzen. Die Gastautoren wissen, dass ihre Beiträge bei uns gut gelesen werden. Außerdem stehe ich jedem Interessenten gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Als Leiter der Redaktion habe ich bei gulli ständig freie Autoren ausgebildet. Wer bei der Tarnkappe schreibt, profitier von meinen Erfahrungen und meinem Wissen. Dafür können wir den Autoren derzeit leider nichts bezahlen.

Wenn die Autoren schon nichts bezahlt bekommen, soll es ihnen wenigstens Spaß machen.

Doch ich denke, das ist ein fairer Deal, zumal niemand nach Terminplan schreiben oder eine Mindestanzahl an News erfüllen muss. Wenn die Autoren schon nichts bezahlt bekommen, soll es ihnen wenigstens Spaß machen.