Schöner Schreiben mit Scrivener!

Schöner Schreiben mit Scrivener!

Nachdem ich mir vor zwei Wochen iA Writer für mein iPad besorgt habe und die neue Vollbildschirm-Schreibfunktion von WordPress begutachtet habe, habe ich mich genauer mit dem Thema Schreiben & Software auseinandergesetzt. Gestern bin ich bei meinen Streifzügen durch viel Glück über das Wunderwerkzeug namens Scrivener gestolpert. Seitdem bin ich verliebt.

Verliebt in ein unglaublich intelligentes Schreibwerkzeug, das eine wahre Schreibwerkstatt ist. Scrivener setzt sich mit dem Schreibprozess auf vollkommen neue Art und Weise auseinander – insbesondere dem Verfassen längerer Texte.

Scrivener beschreitet hierbei für mich neue Wege. Angefangen hat es mit der Suche eines Desktop-Texteditors, der alle großen Ablenkungen eines Computers ausblendet, ähnlich der Funktionsweise von iA Writer. Gelandet und hängen geblieben bin ich dann vor dem mehr als 30-minütigen Screencast von ScreencastOnline.com, der die neueste Version von Scrivener sehr kompakt auf den Punkt bringt. Kompakt insofern, weil Scrivener einfach anders mit Texten umgeht als Open Office, Word & Co.

Fasziniert bin ich derzeit vor allem von drei Funktionen:

  • Vollbildschirmmodus für das Schreiben
  • Organisation größerer Texte/Bücher
  • Exportfunktionen der Projekte

Video: Einblick in die Arbeitsweise mit Scrivener

Keine Ablenkung im Vollbildschirmmodus

Ich liebe Tastaturkürzel. Und wenn ich Texte verfasse, benötige ich keine Maus und Icons, um Texte zu fetten, etc. Darum reicht ein weisser Bildschirm, mit einem blinkenden Cursor und es kann losgehen. Genau das bietet Scrivener, aber…

…der Clou liegt in der Möglichkeit, mit dem Mauszeiger an den unteren Bildschirmrand zu fahren, um schnell die nötigen Einstellungen in einem sodann eingeblendeten Menü vorzunehmen. Anschließend blendet das Schreibprogramm die Menüleiste wieder aus. Ihr kennt das von Video- und DVD-Playern, die bei keinerlei Mausbewegungen alle Steuerelemente sanft ausblenden. Über diese Steuerelemente justiert man schnell die Schriftgröße, die Breite des weissen Textfensters und der Position.

Über die generellen Einstellungen justiert man auf Wunsch sämtliche Farben. Wer z.B. etwas Hackeratmo braucht, der ändert die Schriftfarbe in Giftgrün und den Bildschirmhintergrund in Schwarz. Möglich sind auch Hintergrundbilder oder Texturen. Aber will bitte so etwas?!?

Mich persönlich haben immer schon schwarze Buchstaben auf Weiss fasziniert und angemacht. Und hey, selbst den Scrollbalken konnte ich ausblenden :)

Ach und dann bietet der Vollbildschirmmodus auch noch das so genannte Typewriter Scrolling. Bei diesem bleibt der Cursor immer in der Mitte des Bildschirms. Das erhöht die Übersicht nach oben und unten. Großartig.

Buchprojekte zerlegen und zusammenfügen

Drei Bücher habe ich bis jetzt geschrieben. Die Organisation gestaltete sich immer schwierig. Denn bei einem Sachbuch strukturiert man den zu vermittelnden Inhalt zuerst logisch und didaktisch sinnvoll bevor man loslegt.

Die erste und oft grundlegende Arbeit an einem neuen Buch war und ist somit das Inhaltsverzeichnis. Gemeinsam mit meinen Lektoren haben wir so vor dem ersten Kapitel den Grundstein gelegt und die Marschrichtung vorgegeben. Die Kapitel und Unterkapitel habe ich dann in einzelnen Open Office-Dokumenten abgearbeitet.

Diese Arbeitsweise verhindert einen Gesamtüberblick über die Seitenzahlen, zerstückelt das Endprodukt in einzelne Teile und erschwert die Arbeit. Scrivener dahingegen organisiert Projekte anders und sinnvoller.

Kapitel, Absätze und Textabschnitte organisiert man in einzelnen Teilen in Ordnern und Unterordnern. Klickt man dann z.B. auf einen Ordner, ordnet Scrivener die Textbausteine in der chronologischen Reihenfolge an. Dadurch lassen sich einerseits Übergänge glätten, andererseits lassen sich aber auch einzelne Baustellen komplett herauslösen und einzeln bearbeiten. Wer schon einmal eine Haus-, Diplomarbeit oder einen ähnlich langen Text geschrieben hat, weiss, wie anstrengend und unübersichtlich ein 40- bis 80-seitiges Dokument werden kann. In Scrivener überblickt man mittels der linken Seitenleiste immer die Struktur samt Kapitel und Bausteinen.

Aber nicht nur die Struktur kontrolliert man auf einen Blick: Nein, auch die Recherche. Scrivener ermöglicht innerhalb der verschiedenen Projekte das Sammeln von Quellen, Belegen, Bildern, Webseiten und anderen Dingen, die man zitieren, einbauen oder weiterverwenden will. Hilfreich greift einem das Programm dann mit einer horizontal oder vertikal geteilten Ansicht unter die Arme.

Für mein Seminarprogramm, dass derzeit in Arbeit ist, recherchiere ich natürlich auch Texte und Angebote der Konkurrenz. Jetzt habe ich endlich eine Möglichkeit Fundstücke und Texte innerhalb des Dokumentes bzw. Projektes zu speichern und zu organisieren. Aber nicht innerhalb des Textes – wie früher mitten im Dokument… –, sondern getrennt in einem eigenen Research-Ordner. Brauche ich einen Text, kann ich in der Doppelansicht auf der einen Seite meinen eigenen Text und auf der anderen Seite den recherchiereten Text aufrufen. Sehr geil und übersichtlich!

Der wundersame Export in zahlreiche Formate

Seit wirklich Jahren suche ich ein Programm mit welchem ich Texte gleichzeitig in valides HTML und/oder in PDF-Dateien exportieren kann. Jetzt ist das endlich möglich. Selbstverständlich ist Scrivener nicht Indesign, doch die PDF-Dateien sehen schon sehr ordentlich nach dem Export aus. Selbstverständlich sind auch Bilder und Fotos möglich. Sogar printtauglich über einen feinen aber logischen Zwischenschritt.

Andererseits unterstützt das Programm aber auch die Syntax MultiMarkdown. Mit Hilfe von MultiMarkdown (Video zu MultiMarkdown) erstellt man 1a-strukturierte und wunderbar saubere HTML-Dateien. Exportieren und dann nur noch Koppi und Passte in WordPress oder ähnliche CMS-Systeme. Schon ist der Text online.

Um die Markdown-Syntax für den PDF-Export zu eliminieren, kann man während des Exports noch einmal Suchen & Ersetzen-Filter über das Dokument laufen lassen.

So… Und das sind Erfahrungen nach erst einem Tag. Zur Zeit nutze ich noch die 30-Tage-Testversion…Die gibt es mittlerweile nicht nur für Mac, sondern auch für Windows-Nutzer.

Probiert’s aus oder schaut Euch in einer ruhigen Minute den obigen Screencast an!