Designbuch

House Industries: Beherztes Durchpflügen uramerikanischer Zeichenkultur

cover_house_industries.gifBuchkritik · Die Jungs von House Industries könnte man als die Beastie Boys der Typo-Szene bezeichnen. In Ihrer Typo Berlin-Show grätschen sie in Ihre Gitarrenseiten, rocken krachig und laut während ihr MC ins Mic brüllt und sich wie eine Furie durch die Power-Point-Präsentation der Firma klickt.

Bei der ersten Begegnung mit den Schriften, Illustrationen, Comic-Zeichnungen und aufgeblasenen Logos von House Industries denkt man unweigerlich, wie deftig das nach Amerika schreit. Denn die Art, das Aussehen und der Umgang mit visuellen Stilen könnte uramerikanischer nicht sein. Unweigerlich schleicht sich da ein Gefühl ein, man säße im Las Vegas der Gestalter-Szene. Buchstaben sind nicht klein, nein, sie leben, stellen sich protzend in den Vordergrund, arrogant und selbstbewusst und trashen irgendein Cliché. Ob nun Themen wie Hawaii, schnelle Autos, Planet der Affen oder Monster Fonts, man befindet sich scheinbar immer in einem Hollywood-esken Designer-Traum.

Vier Freunde das sind wir

house_industries_1.jpgHouse Industries selbst sind mittlerweile ein gewachsenes Unternehmen mit ca. 12 freiwillig arbeitenden Menschen. Gegründet 1993 in Wilmington, Delaware, wurde unermüdlich eine Fangemeinde aus (Groß)Kunden und Design-Freaks aufgezogen. Zwar wurde House Industries von Rich Roat und Andy Cruz gegründet, zum Kern der Mannschaft gehören jedoch auch noch Adam Cruz sowie Ken Barber. Die vier Freunden haben in den vergangenen 10 Jahren nicht nur zusammen gearbeitet, sondern zusammen gelebt, jeder mal mit jedem, und spielen heute auch noch in der gleichen Band.

Exploiting every american cliché

house_industries_2.jpgAuch wenn die vier Freaks im Interview konstatieren, dass es bei Ihnen in allererster Linie darum geht sich selbst zu unterhalten, so darf man jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass hier neben jeder Menge Liebe auch harte Arbeit investiert wurde. So musste eine australische Kundin bei einem Besuch ernüchtert feststellen, dass die Mannschaft weder bekifft im Designersessel herumlungern, noch dass House Industries ein Haufen chaotischer Verrückter ist. Meist ist es dann eben doch “nur” ein Nine-To-Five-Job, den die Jungs herunterreißen – aber mit Leidenschaft.

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Was die Design-Agentur so besonders macht, ist ihre Hingabe und Liebe zur eigenen amerikanischen Kultur. “Bevor wir wussten, was überhaupt Graphic Design ist, waren wir schon längst davon umgeben und berauscht. Der Luxus, dass eine andere Kultur mal eben um die Ecke lebt, gibt es bei uns leider nicht. Egal wo Du in den USA hin fährst, die Zeichen sehen alle gleich aus, abgesehen von ein paar regionalen Unterschieden.”, erklärt Ken Barber.

house_industries_4.jpgDarum setzen sich die Vier auch mit Begeisterung mit der eigenen Kultur auseinander. Resultat ist nicht nur ein bloßes Mausschubbsen, sondern auch eine fundamentale Kenntnis von den verschiedensten Techniken, wie sie entstanden sind und warum. Ob Ballpen, Glasgilding oder Bleistift, jede Technik wirkt sich anders aus, hat seine eigene Geschichte. Dabei verleiht das Medium dem einzelnen Individuum seine eigene “Handschrift”, seinen Style. Gerne nutzen sie auch Computer, sind aber davon überzeugt, dass gerade die verschiedensten Arten mit dem Umgang von Material und Werkzeug etwas besonderes entstehen lassen.

Und das zeigt beeindruckend Ihr Buch “House Industries”, dass im Berliner Die Gestalten Verlag erschienen ist. Das Buch illustriert mit aufwendiger Drucktechnik auf transparentem Papier als auch “normalem” Papier, wie das Team arbeitet, scribbelt und styled. Außerdem zeigt es wie gerne die Freaks humorvoll und selbstironisch amerikanische Clichés durchpflügen, um ihnen ihren eigenen Stempel aufzudrücken.

Informationen zum Design Buch

Firmen-Website: www.houseindustries.com
Verlag: www.die-gestalten.de