»Das Ende einer Last«

Fakten zum Medium Buch

»Das Ende einer Last«

In »Das Ende einer Last« untersucht Karl Günter Bose das Buch. Auf 50 Seiten setzt sich der Professor für Typografie in Ruhe mit dem Medium auseinander.

Die Reihe »Ästhetik des Buches« des Wallstein Verlages setzt sich mit den Themen Buch, Typografie und Geschichte der Schrift auseinander, den einzigartigen Qualitäten dieses Mediums. Besonders an diesen Büchern ist neben ihrem Inhalt alleine schon die Tatsache, dass – zumindest die Bücher, die ich gekauft habe – von den Autoren selbst typografisch und layout-technisch gestaltet wurden.

Die materielle Geschichte des Buches

In »Das Ende einer Last« beschäftigt sich Günter Karl Bose mit der materiellen Geschichte des Buches. Das fängt erst einmal grundlegend beim Papier und seiner Herstellung an. Anschließend nimmt Günter Karl Bose das Buch in die Hand, schaut es sich von allen Seiten an und berichtet vom Gewicht sowie dem Konsum des Buches über die Jahrhunderte und seiner fast schon inflationären Entwicklung.

»Das Ende einer Last« liest sich wunderbar leicht. Auf 50 Seiten erhält man geballtes Wissen, das beim ersten Mal eigentlich kaum erfasst kann. Auch wenn Günter Karl Bose sein Buch mit 136 Fußnoten anreichert, hatte ich auf keiner Seite das Gefühl, dass der Autor mit seinem enormen Wissen herumstolziert. Vielmehr finde ich die aufgelistete Literatur bemerkenswert und interessant und wünsche mir, dass mehr Sachbuchautoren auf Ihre Quellen so akribisch verweisen würden.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts ist Papier in Europa fast ausschleßlich aus Lumpen [Hadern] hergestellt worden, aus abgetragener Kleidung.

Beeindruckt hat mich die Gründlichkeit dieses Essays. Bei einem Professor für Typografie und Leiter des Instituts für Buchkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ist das eigentlich nicht verwunderlich.

Trotzdem liest man das Buch im lockeren Fluss und folgt den Fakten und spannenden Tatsachen. Lobenswert ist auch der sachliche, manchmal – so kommt es zumindestens mir vor – fast leicht ironische Ton, der das Medium Buch nicht in den Himmel lobt. Vielmehr wiegt der Autor das Buch ab, um diesem eigenwilligen Medium am Ende seine Liebe zu gestehen. Denn »das Digitale ist im Grunde etwas Lebloses«.

Bevor wir zu jenen ›Denk-, Schreib- und Redemaschinen‹ werden, die Nietzsche vorausgesagt hat, verloren in einem Univerum binärer Zahlen, scheint von dem, was wir sehen und anfassen, was wir begreifen können und was schwer in der Hand liegt, eine gewisse Beruhigung auszugehen. Vielleicht sind es solche Empfindungen, die uns bei den Büchern halten.

Zum Buch »Das Ende einer Last«

Günter Karl Bose
»Das Ende einer Last – Die Befreiung von den Büchern«
Wallstein Verlag
ISBN: 978-3-8353-1355-2 (2013)

Weitere Typografie-Themen

Dialog & Diskussion