Drei Thesen zum Urheberrecht

Urheberrecht: “Wir brauchen digitale Kneipen!”

Drei Thesen zum Urheberrecht

Als Journalist und Musikliebhaber hinter Phlow, beschäftige ich mich seit Jahren mit freier Musik aus dem Internet. Diese freie Musik – auch oft als Netaudio bezeichnet – stellen so genannte Netlabels (digitale Musiklabels) und Musiker meist kostenlos zum Download zur Verfügung. Um schnell und unkompliziert den “Konsumenten” zu erklären, welche Rechte sie für die Verwendung der Musik haben, benutzen die Netlabels und Musiker die Lizenzmodelle von Creative Commons. Generell ist dieses Modell unkompliziert und gut zu verstehen, stößt aber immer mehr an seine Grenzen.

Die Vernetzung der Welt provoziert das Urheberrecht

Mit dem Internet gelangt man mit einem Klick von einem Kontinent auf den nächsten. Genauso springt man von einem Rechtsraum in den anderen. Das ist den meisten Internet-Surfern nicht klar. Während der eine Staat seinen Rechtsraum und das Copyright locker und offensiv handhabt – evtl. sich sogar absichtlich nicht darum kümmert – wachen andere Staaten mit Argusaugen über Copyright-Verstöße. Der Laie ist in diesem Zusammenhang verloren und versteht nicht, warum z.B. auf YouTube Mitschnitte von Sendungen oder Konzerten zu finden sind, andererseits aber nicht genutzt werden dürfen. Oftmals verklagen ihn – den Fan – sogar die Konzerne. Das ist ein Problem.

Problem: Nur Juristen “reformieren” Gesetze

Foto: www.flickr.com/photos/seier/

Um Gesetze zu gestalten, muss man sie verstehen. Neue Gesetze werden in der Regel von Politikern beschlossen und von Juristen ausformuliert. Um Gesetze und ihre Gesetzmäßigkeiten nachvollziehen zu können, muss man Jura studiert haben – ansonsten wird es schwer. Denn mit dem Studium lernt man die Begriffe, Definitionen und die Komplexität des Gesetzes kennen.

Daraus ergibt sich folgendes Problem, welches wir in Köln auf der Cologne Commons 2010 deutlich erlebt haben: Will man die Gesetze rundum geistiges Eigentum, Urheberecht, Copyrights, etc. neu gestalten, braucht man nicht nur ein elementares juristisches Wissen. Vielmehr ist ein tiefes Verständnis notwendig. Deswegen sitzen letzten Endes schnell nur noch Juristen am Tisch einer möglichen Reformation und Juristen geht oft das Verständnis für Kreativität abhanden. Kreative sind gerne kreativ, die Gesetze für den Umgang mit ihren Werken formulieren andere.

Wir brauchen “digitale Kneipen”

Wenn ich in einer Kneipe ein Lied gröle, dazu tanze oder Karaoke singe, dann verklagt mich niemand. Video-Portale und soziale Netzwerke sind heute das Equivalent von Kneipen. Dort zeige ich der Welt – meist nur meinen Freunden – meine Gesangskünste, mein virtuoses Spiel an der Gitarre oder mein kleines Baby, dass witzig zu Prince in seinem Stühlchen hin und herschaukelt. Hier befinde ich mich aber im öffentlichen Raum, der der ganzen Welt zugänglich ist. Nur soziale Netzwerke erlauben es mir meinen “Freundeskreis” genauer zu bestimmen.

Darum brauchen wir für das neue Zeitalter digitale Kneipen. Diese digitalen Kneipen bilden einen Schutzraum für den normalen Internetnutzer, in welchem er Remixe, Collagen, Nachgesungenes, etc. zeigen darf, ohne verfolgt und bestraft zu werden. Die Portale müssen dafür z.B. Pauschalbeträge – ähnlich vielleicht einer Kulturflatrate – an Verwertungsgesellschaften abtreten und ihre Nutzer schützen.

Laut gedacht von Moritz “mo.” Sauer am 10.11.2010

In Kooperation mit dem Goethe Institut Russland

Website: www.goethe.de/russland